Wenn man das Wort „Luňák“ (auf Deutsch „Rotmilan“) hört, denken die meisten Menschen zunächst an den Greifvogel, der über der Landschaft kreist. Für Luftfahrtbegeisterte hat dieser Name jedoch eine ganz andere, deutlich romantischere Bedeutung. Er steht für die Begegnung mit einer Legende – einem eleganten Ganzholz-Segelflugzeug, das sich einen festen Platz in der Geschichte der tschechoslowakischen Luftfahrt gesichert hat. Genau dieses Schmuckstück wird einer der Magneten des Flugtages in Eger sein, der am 29. und 30. August stattfindet!
Die Geschichte dieses außergewöhnlichen Flugzeugs begann kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Die damalige Armee benötigte dringend ein zuverlässiges, kostengünstiges und zugleich voll kunstflugtaugliches Flugzeug für die Ausbildung von Militärpiloten. Der Konstrukteur Vladimír Štros vom Prager Flugzeugwerk Letov nahm sich dieser Aufgabe an. Das Ergebnis war die LF-107 (später VT-107) Luňák, die 1948 zu ihrem Erstflug abhob.
Štros gelang die Schaffung eines Meisterwerks, das alle Erwartungen übertraf. Aufgrund seiner außergewöhnlichen Flugeigenschaften trägt die Maschine bis heute den Beinamen „Jagdflugzeug ohne Motor“. Bereits in den 1950er Jahren beeindruckte sie durch ihre eleganten Linien und ihre aerodynamische Reinheit. Der Luňák verfügt über eine außergewöhnlich große Geschwindigkeitsspanne – von lediglich 60 km/h bis hin zu beeindruckenden 300 km/h. Charakteristisch ist zudem die gewölbte Haubenkanzel, die dem Piloten selbst bei anspruchsvollsten Kunstflugmanövern eine hervorragende Rundumsicht bietet.
Die Steuerung des Luňák verlangt zwar Erfahrung und Fingerspitzengefühl, belohnt den Piloten jedoch mit einer Gleitzahl von 1:24, die sich seinerzeit mit den besten Leistungssegelflugzeugen der Welt messen konnte.
Von den ursprünglich 75 gebauten Exemplaren ist bis heute nur ein Bruchteil erhalten geblieben. In der Tschechischen Republik fliegen lediglich vier Maschinen, weitere sechs befinden sich in anderen europäischen Ländern. Aufgrund ihres Alters und ihres historischen Wertes ist jeder Flug inzwischen ein kleines Fest, zumal nicht alle erhaltenen Flugzeuge noch für uneingeschränkten Kunstflug zugelassen sind.
Am Himmel über Eger wird sich der Luňák in seiner authentischsten Form präsentieren. Die Zuschauer erleben ihn in der originalen militärischen Lackierung der 1950er Jahre – vollständig in Gelb mit den runden Hoheitszeichen der damaligen Tschechoslowakei, wie er einst bei den Luftstreitkräften der Tschechoslowakischen Volksarmee im Einsatz stand.
Ergänzt wird die Geschichte dieses Flugzeugs durch die nicht minder interessante Geschichte des Mannes im Cockpit. Am Steuer des gelben Klassikers sitzt David Jágr, Mitglied im Aeroklub Karlovy Vary, für den der Flugplatz Eger gewissermaßen eine Heimspielstätte ist. Im Berufsleben trägt David Jágr eine äußerst verantwortungsvolle und anspruchsvolle Aufgabe: Er ist Generaldirektor der tschechischen Zivilluftfahrtbehörde. Während er unter der Woche vom Schreibtisch aus für die Sicherheit des gesamten tschechischen Luftraums verantwortlich ist, zieht es ihn am Wochenende dorthin, wo sein Herz ihn hinführt.